Das Konzept des ambivalenten Sexismus wurde von Psycholog*innen wie Susan Fiske und Peter Glick entwickelt. Es zeigt, dass Sexismus nicht nur in offener Feindseligkeit besteht, sondern auch durch scheinbar positive, wohlwollende Einstellungen wirkt.
📌 Feindseliger Sexismus – Abwertung von Frauen, die sich nicht an traditionelle Rollen halten. Sie werden als inkompetent, manipulativ oder bedrohlich dargestellt.
📌 Wohlwollender Sexismus – Verklärung traditioneller Rollen, die Frauen Schutz, Reinheit oder besondere Moral zuschreiben – aber eben nur, solange sie sich „richtig“ verhalten.
Ob offen feindselig oder scheinbar wohlwollend: Beide Formen verfolgen dasselbe Ziel – die Kontrolle über Frauen und die Stabilisierung des Patriarchats.
Feindseliger Sexismus tritt besonders dann auf, wenn Frauen sich nicht an traditionelle Erwartungen halten. Einige typische Aussagen:
❌ „Frauen sind überemotional und nicht rational genug für Führungspositionen.“
❌ „Feministinnen hassen Männer und wollen sie unterdrücken.“
❌ „Wenn Frauen sich beschweren, tun sie das nur, weil sie bevorzugt behandelt werden wollen.“
Diese Aussagen haben einen klaren Zweck: Frauen von Machtpositionen fernhalten, sie in Abhängigkeit halten und jede Form der Emanzipation als Angriff auf Männer darstellen.
Anders als feindseliger Sexismus wirkt wohlwollender Sexismus oft charmant, ja sogar höflich. Doch er beruht auf der Idee, dass Frauen „anders“ und „besonders“ sind – und daher in bestimmten Rollen bleiben sollten.
Typische Aussagen:
✔ „Frauen sind moralischer als Männer.“
✔ „Frauen sind von Natur aus fürsorglicher und sollten sich um Familie und Kinder kümmern.“
✔ „Männer sollten Frauen beschützen und ihnen schwere Aufgaben abnehmen.“
Auf den ersten Blick erscheinen diese Sätze harmlos, sogar wertschätzend. Doch sie haben eine gefährliche Botschaft: Frauen sind nicht gleichberechtigt. Sie sind „rein“, „sanft“ oder „bedürftig“ – und daher nicht für bestimmte Berufe, Entscheidungen oder Positionen geeignet.
Viele glauben, dass wohlwollender Sexismus harmlos sei – schließlich sei es ja nett, Frauen als moralisch überlegen oder besonders fürsorglich zu sehen. Doch diese Denkweise hat schwerwiegende Folgen:
📌 Frauen werden in traditionelle Rollen gedrängt – Wer als „besonders fürsorglich“ gilt, soll sich bitte um Kinder oder Pflegeberufe kümmern, nicht um Politik oder Wirtschaft.
📌 Karrierechancen werden begrenzt – Frauen, die sich „nicht weiblich genug“ verhalten, werden schnell als „hart“, „verbissen“ oder „kalt“ abgewertet.
📌 Wer ausbricht, wird bestraft – Frauen, die traditionelle Rollen hinterfragen, erleben oft einen Backlash: Sie werden als bedrohlich empfunden, lächerlich gemacht oder offen angefeindet.
Das zeigt: Wohlwollender Sexismus ist nicht nett – er ist ein Instrument zur Kontrolle.
Ambivalenter Sexismus funktioniert wie ein Belohnungs- und Bestrafungssystem:
✔ Frauen, die sich an traditionelle Rollen halten, werden belohnt: Sie werden als „sanft“, „respektabel“ und „liebenswert“ wahrgenommen.
❌ Frauen, die sich emanzipieren, werden bestraft: Sie gelten als „feministische Kampfemanzen“, „zu aggressiv“ oder „unweiblich“.
Ein anschauliches Beispiel:
➡ Ein Mann hält einer Frau die Tür auf oder bezahlt ihren Kaffee – ein scheinbar nettes Verhalten.
➡ Derselbe Mann ist aber auch der Meinung, dass Frauen in der Politik nichts zu suchen haben.
Dieses Muster zeigt: Wer Frauen in traditionelle Rollen hebt, will sie oft dort behalten – und bestraft sie, wenn sie ausbrechen.
💡 Bewusstsein schaffen – Wir müssen erkennen, dass Sexismus nicht nur Feindseligkeit ist, sondern auch durch scheinbar „positive“ Klischees aufrechterhalten wird.
💡 Wohlwollenden Sexismus hinterfragen – Nicht jede höfliche Geste ist sexistisch, aber wir müssen prüfen, ob sie auf traditionellen Geschlechterrollen basiert.
💡 Gleichberechtigung in Sprache & Verhalten leben – Frauen nicht als „besonders schützenswert“, sondern als gleichberechtigte Menschen behandeln.
💡 Stereotype in der Politik und im Beruf abbauen – Geschlechterklischees halten Frauen aus Machtpositionen fern – sie müssen aktiv bekämpft werden.
Sexismus ist nicht nur offene Frauenfeindlichkeit, sondern auch ein System, das Frauen durch scheinbar nette Rollenbilder in ihrer Position hält. Wer echte Gleichberechtigung will, muss daher nicht nur gegen Feindseligkeit kämpfen, sondern auch gegen scheinbar wohlwollende Denkmuster.
Denn eine feministische Zukunft entsteht nicht durch Nettigkeiten – sondern durch gleiche Chancen für alle. 🚀