Der Begriff "Pick-Me Girl" bezeichnet Frauen, die sich bewusst von anderen Frauen abgrenzen, um männliche Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erlangen. Sie betonen häufig, anders als "typische" Frauen zu sein, indem sie beispielsweise behaupten, unkomplizierter, weniger emotional oder weniger anspruchsvoll zu sein. Diese Haltung manifestiert sich oft in Aussagen wie: "Ich komme besser mit Männern zurecht; Frauen sind einfach zu dramatisch."
Der Ausdruck "Pick-Me Girl" gewann insbesondere 2020 auf der Social-Media-Plattform TikTok an Popularität, wo Nutzerinnen in kurzen Videos dieses Verhalten parodierten und kritisierten. Der Begriff selbst leitet sich von einer Szene aus der Fernsehserie "Grey's Anatomy" ab, in der die Protagonistin sagt: "So pick me, choose me, love me."
Aus feministischer Sicht wird das Verhalten von "Pick-Me Girls" kritisch betrachtet, da es Geschlechterstereotype nicht nur reproduziert, sondern auch verstärkt. Indem sie sich von anderen Frauen distanzieren und diese abwerten, tragen sie zur Aufrechterhaltung patriarchaler Strukturen bei. Dieses Verhalten fördert Konkurrenz unter Frauen, anstatt Solidarität zu stärken, und untergräbt somit kollektive Bestrebungen nach Gleichberechtigung.
Die Soziologin Hannah McCann kritisiert zudem, dass Begriffe wie "toxische Weiblichkeit" oder "Pick-Me Girl" Geschlechterbinaritäten verstärken und dazu genutzt werden können, Frauen und feministische Forderungen zu diskreditieren.
Das Verhalten von "Pick-Me Girls" kann tiefere psychologische und gesellschaftliche Ursachen haben. In einer Gesellschaft, die Frauen oft über ihre Beziehungen zu Männern definiert, kann der Wunsch nach männlicher Anerkennung als Überlebensstrategie verstanden werden. Frauen, die sich als "Pick-Me Girls" verhalten, suchen möglicherweise nach Bestätigung in einem System, das ihren Wert an männlicher Aufmerksamkeit misst.
Die Psychologin Sabrina Romanoff erklärt, dass "Pick-Me Girls" dazu neigen, ihre Identität und ihren Wert daraus abzuleiten, von Männern ausgewählt zu werden. Sie passen ihre Werte, Persönlichkeit und ihr Verhalten an, um männliche Anerkennung zu erhalten, was auf ein geringes Selbstwertgefühl hinweisen kann.
Das Phänomen der "Pick-Me Girls" hat auch in der Literatur und den Medien Aufmerksamkeit erregt. Die deutsche Autorin Sophie Passmann widmete diesem Thema ihr Buch "Pick Me Girls", in dem sie persönliche Erfahrungen und Beobachtungen verarbeitet. Allerdings wurde das Buch für seine sprunghafte Oberflächlichkeit kritisiert und als überlanger Social-Media-Post beschrieben.
Das Konzept des "Pick-Me Girls" verdeutlicht die subtilen Mechanismen, durch die patriarchale Strukturen aufrechterhalten werden. Indem Frauen gegeneinander ausgespielt werden und sich voneinander distanzieren, wird die kollektive Stärke des Feminismus geschwächt. Es ist daher essenziell, Solidarität unter Frauen zu fördern und gemeinsam gegen Geschlechterungleichheit vorzugehen, anstatt in interne Konkurrenzkämpfe zu verfallen.
Für die Jusos Köln bedeutet dies, weiterhin für eine Gesellschaft einzutreten, in der alle Geschlechter gleichberechtigt sind und in der individuelle Unterschiede gefeiert statt verurteilt werden. Nur durch gegenseitige Unterstützung und das Hinterfragen internalisierter Rollenbilder können wir eine gerechtere und solidarischere Zukunft gestalten.