Mit unserem Themenabend „Geschichte & Frauen“ im Rahmen des AK Feminismus der Jusos Köln wollten wir genau das sichtbar machen. Wir haben uns gefragt:
👁 Welche Rollenbilder wurden Frauen in unterschiedlichen Epochen zugeschrieben?
🗃 Welche Frauen wurden vergessen – oder bestohlen?
📚 Und was können wir heute daraus lernen?
Beginnen wir ganz am Anfang: In der Vorgeschichte galt lange das Bild, dass Männer jagen und Frauen sammeln – ein Rollenklischee, das bis heute nachwirkt. Doch archäologische Funde, wie der einer Frau mit Jagdausrüstung in den Anden, beweisen das Gegenteil: Frauen jagten ebenfalls und waren aktive Mitglieder ihrer Gemeinschaften. Das zeigt: Selbst unsere frühesten Vorstellungen von „natürlicher Rollenverteilung“ beruhen auf patriarchalen Mythen.
In der Antike zeigt sich ein widersprüchliches Bild. Frauen im alten Ägypten hatten vergleichsweise viele Rechte – sie konnten Besitz erwerben, Verträge abschließen, sogar politische Macht ausüben, wie Pharaoninnen wie Hatschepsut oder Kleopatra beweisen. Anders war es im antiken Griechenland und Rom. In Athen waren Frauen weitgehend auf den Haushalt reduziert. In Sparta hatten sie immerhin Zugang zu Bildung. Doch trotz einiger einflussreicher Figuren wie Sappho, Theano oder Aspasia blieb politische und rechtliche Gleichstellung ein ferner Traum. In Rom durften Frauen zwar vereinzelt als Priesterinnen wirken oder wirtschaftlich aktiv sein – ihre rechtliche Stellung war aber durch und durch patriarchal organisiert. Der männliche Hausherr, der pater familias, bestimmte ihr Leben.
Im Mittelalter bestimmten Kirche und Feudalismus das Leben – und damit auch das Frauenbild. Frauen waren zumeist auf Ehe, Haushalt und Kindererziehung beschränkt. Doch auch hier gab es Ausnahmen: In Klöstern wie dem von Hildegard von Bingen erhielten Frauen Bildung und religiöse Macht. Jeanne d’Arc führte Truppen in den Krieg, Eleanor von Aquitanien war politische Akteurin auf europäischer Bühne. Besonders perfide war die Hexenverfolgung, die ab dem Spätmittelalter vielen unabhängigen, kinderlosen oder unbequemen Frauen das Leben kostete – ein grausames System patriarchaler Machtkontrolle.
Die Renaissance wird oft als „Wiedergeburt des Wissens“ gefeiert – doch für die Mehrheit der Frauen blieb die Tür zur Bildung verschlossen. Einige Ausnahmen wie Christine de Pizan oder Elisabeth I. nutzten jedoch ihren Zugang zu Macht und Bildung, um bestehende Rollenbilder herauszufordern. Mit der Aufklärung wurde Vernunft zum Ideal – und Mary Wollstonecraft forderte mit ihrer „Verteidigung der Rechte der Frau“ (1792) erstmals systematisch Gleichheit. Doch auch wenn die Theorie der Aufklärung radikal klang, blieb sie in der Praxis fast ausschließlich männlich dominiert.
Kaum ein Ereignis zeigt die Ambivalenz der Geschlechterfrage deutlicher als die Französische Revolution: Frauen marschierten auf Versailles, gründeten politische Clubs, kämpften für Brotpreise und Gleichheit – und wurden nach dem Umbruch brutal aus der Politik gedrängt. Olympe de Gouges, die mutig die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ schrieb, wurde 1793 hingerichtet. Ihre Vision blieb lange unerfüllt – doch ihr Erbe wirkt bis heute.
Mit der Industrialisierung wurden soziale Missstände sichtbarer – und der Widerstand wuchs. In den USA, Großbritannien und Deutschland entstanden erste Frauenrechtsorganisationen. Louise Otto-Peters, Susan B. Anthony oder Emmeline Pankhurst forderten Bildung, rechtliche Gleichstellung und vor allem: das Frauenwahlrecht. Diese erste Welle des Feminismus legte den Grundstein für die späteren Bewegungen – auch wenn die Erfolge langsam kamen und oft hart erkämpft werden mussten.
Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs übernahmen Frauen zentrale Aufgaben: In Rüstungsfabriken, als Krankenschwestern, in Verwaltung und sogar an der Front (z. B. in der Sowjetunion). Und doch: Nach den Kriegen wurden sie wieder in traditionelle Rollen zurückgedrängt. Die „Trümmerfrauen“, die unsere Städte wieder aufbauten, erhielten oft wenig Anerkennung. Gleichzeitig setzten mutige Frauen wie Clara Zetkin Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit – oft gegen große Widerstände.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der lange, mühsame Weg zur Gleichstellung. Die 1970er-Jahre brachten Reformen im Eherecht, das Recht auf Abtreibung wurde erstritten, Frauenquoten eingeführt. Bewegungen wie #MeToo zeigten, dass strukturelle Ungleichheit, Gewalt und Sexismus bis heute Realität sind. Und dennoch: Frauen kämpfen weiter – für gleiche Bezahlung, politische Repräsentanz, sexuelle Selbstbestimmung und gegen Diskriminierung.
Viele der Frauen, die Geschichte prägten, wurden nicht nur vergessen – sondern ihre Leistungen wurden oft Männern zugeschrieben. Ob in der Kunst, der Wissenschaft oder der Politik: Wissenschaftlerinnen, Autorinnen, Erfinderinnen wurden marginalisiert, ausgelöscht oder bewusst unsichtbar gemacht. Die Liste der Namen ist lang: Marie Curie, Simone de Beauvoir, Frida Kahlo, Eleanor Roosevelt, Harriet Tubman, Virginia Woolf, Indira Gandhi, Malala Yousafzai – sie alle stehen für Mut, Widerstand und Erneuerung. Und sie stehen stellvertretend für unzählige Frauen, deren Geschichten nie erzählt wurden.
Der Blick zurück ist kein nostalgischer. Er ist ein politischer Akt. Denn wer sichtbar ist, hat Macht. Geschichtsschreibung war lange Männersache – und sie hat ihre Heldinnen vergessen. Doch wir als Jusos Köln sagen: Das lassen wir nicht mehr zu. Wir erzählen die Geschichten neu – vollständig, kritisch und feministisch. Denn die Geschichte der Frauen ist kein Randthema – sie ist der Schlüssel zu einer gerechten Zukunft. ✊💜